Oder: Was sind eigentlich
Wasserstoffbrückenbindungen?
Was sind eigentlich
Wasserstoffbrückenbindungen, wie kommen sie zustande und wo
spielen sie eine Rolle? Über diese Frage
könnte man Bücher
schreiben (es wurden ja auch einige geschrieben), hier
wollen wir sie
kurz und
überblicksmäßig erklären: Wasserstoffbrückenbindungen
sind am einfachsten im Fall von Wasser (H2O)
selbst zu verstehen, in dem zwei
Wasserstoffatome an ein Sauerstoffatom
gebunden sind; da das Sauerstoffatom einen viel
größeren
Kern besitzt, ist es elektronegativer, zieht seine Elektronen also
stärker an sich; es ist sogar so elektronegativ, dass es
Elektronen aus den benachbarten Wasserstoffen abzieht, das als
leichtestes Element überhaupt sehr schnell seine Elektronen
zumindest partiell verlieren kann. So entsteht eine partielle
Negativladung im Sauerstoff und eine partielle Positivladung (durch
Elektronendefizienz) in den Wasserstoffatomen - ein elektrischer Dipol
ist entstanden. Wie überall im Leben ziehen
sich auch in der
Chemie Gegensätze an - und ein partiell positiv geladenes
Wasserstoffatom aus einem Wassermolekül fühlt sich
nun zu
einem partiell negativ geladenen Sauerstoffatom aus einem benachbarten
Wassermolekül hingezogen, eine "Brücke" zwischen den
beiden
Molekülen hat sich gebildet - ein wahres Netzwerk aus
Wasserstoffbrücken entsteht. Die
Bindungsenergie dieser
Wasserstoffbrückenbindungen liegt mit 21kJ/mol in einem
"magischen
Bereich", über jenen Energien der Van der
Waals-Kräfte oder
hydrophoben Wechselwirkungen, die so schwach sind, dass bereits
thermische Fluktuationen ihnen ein Ende bereiten können und
deutlich unter den rigiden kovalenten Bindungen in Molekülen,
die
nur durch enorme Energiemengen gelöst werden können;
diese
Art der Bindung besitzt also genau jene Flexibilität, die in
biologischen Systemen von Nöten ist und rasche
Lösung/Bildung
von Bindungen ermöglicht. Dadurch, dass sich die Energie
mehrerer
Bindungen addieren, werden Polymere, die durch zahlreiche
Wasserstoffbrückenbindungen verbunden werden (z.B. DNA)
äußerst fix 'verleimt', obwohl die Einzelbindung
nicht
besonders stark ist; trotzdem können sie problemlos wieder
aufgeschmolzen werden, wenn sie transkribiert oder translatiert werden
müssen.
Aber es wird noch besser...
Wasserstoffbrückenbindungen
sind aber nicht auf
Wasser alleine beschränkt. Überall, wo zwei partielle
Dipole
aufeinander treffen, können sich diese anziehen und
festhalten, am
häufigsten betrachtet man dies in biologischen Systemen, neben
der
schon bekannten Sauerstoff-Wasserstoff'bindung' die
Stickstoff-Wasserstoff'bindung'; je nachdem, an welchen anderen Atomen
die Stick- und Sauerstoffe "hängen", ist der Dipolcharakter
stärker oder schwächer ausgeprägt,
dementsprechend
stärker oder schwächer ist die
Wasserstoffbrücke, sodass extreme Feinjustierung
möglich ist. Im Fall der vier Basen der DNA, Adenin,
Cytosin,
Guanin und Thymidin, sind es spezifische
Wasserstoffbrückenbindungen, ihre unterschiedliche Anzahl und
ihre
sterische Ausrichtung, die dafür sorgen, dass nur Adenin mit
Thymidin und Cytosin mit Guanin paaren kann, was im Grunde erst das
geniale Prinzip der DNA ermöglicht - nämlich, dass
durch
einen Strang komplementär der zweite erstellt werden kann -
das
Prinzip von Replikation und Transkription...
Life, Everywhere!
Wo also spielen
Wasserstoffbrückenbindungen
ihre besondere Rolle? Einfach überall! Sie sorgen für
die
Besonderheit des Wassers, in dem uns bekannten Bereich flüssig
vorzukommen (gäbe es keine
Wasserstoffbrückenbindungen
wäre Wasser bei Zimmertemperatur gasförmig!), sie
sorgen
durch ihre Bindungskraft nach dem Reißverschlussprinzip
für
das Zusammenhalten der DNA und für die Informationsspeicherung
durch die Anzahl der Bindungen. Besondere Bedeutung erzielen
Wasserstoffbrückenbindungen auch bei der Faltung von Proteinen
und
RNA-Strängen in ihre 3D-Konformation, da
Wasserstoffbrückenbindungen zwischen
Aminosäureseitenketten
bzw. RNA-Basen für die Stabilisierung der Form sorgen, indem
sie
ihr Festigkeit gegen thermische Schwankungen bieten. Auch wenn das nur ein verschwindend
geringer Abriss
der Bedeutung der Wasserstoffbrückenbindungen war, erkennt der
geneigte Leser doch sofort ihre zentrale Bedeutung für
sämtliche Prozesses der Biologie, so dass man mit Fug' und
Recht
behaupten kann, dass ohne diese bedeutungsvollen Bindungen kein Leben,
wie wir es kennen, denkbar ist...