The Greatest Story Ever Told...
Oder: Wie kam es eigentlich zur Gründung der SSHB?

Selbst die größten Geschichten, selbst die bahnbrechendsten Entwicklungen beginnen oft klein, unscheinbar und absolut nebensächlich, ja, sie verdienten keine besondere Aufmerksamkeit, wären da nicht die revolutionären Geschehnisse, die sie nach sich ziehen, die letztlich einen tieferen Blick auf die Entstehungsgeschichte rechtfertigen - und so kommt es, dass heute Äpfelbäume in Cambridge besucht werden, Patentämter in der Schweiz und in ferner Zukunft vielleicht ausrangierte U-Bahngarnituren in Wien...

'Es müssen immer Sieben sein!'

Wie so oft in der Geschichte der Wissenschaft, lassen sich die frühesten Begebenheiten nicht mehr einwandfrei dokumentieren, sind Gegenstand unterschiedlicher Interpretationen, divergierender Ansichten und gegenläufiger Bedeutungsbeimessungen; fest steht jedoch, dass sich im Herbst 2002, die Wege zweier junger, aufstrebender und wissbegieriger Menschen kreuzten, genauer: am 7.Oktober 2002, genauer: in einer halbleeren Garnitur der U3 auf ihrem Weg Richtung Simmering; war es Zufall, war es ein Wink des Schicksals, unbekannterweise saßen sich zwei Menschen zum ersten Mal gegenüber, deren Lebensweg ab diesem Tag verknüpft sein sollte - anfangs nur durch ein gemeinsames Studium, später jedoch durch eine gemeinsame wissenschaftliche Begeisterung und nicht zuletzt durch eine innige Freundschaft.

'What is Life?'

Diese altbekannte Frage trug sicherlich ihren Teil bei der Studienwahl bei, als sich Simone S. und Florian H. dafür entschieden, Molekulare Biologie zu studieren. 'Was ist Leben?', was macht all diese Besonderheiten aus, die belebte Systeme von den unbelebten unterscheiden und auf welchen mechanistischen Grundlagen beruhen die bemerkenswerten Fähigkeiten, die Leben zeigt?
Genau die richtigen Fragen für junge, interessierte Geister, die aus der Provinz in den kosmopolitischen Schoß der Großstadt getreten waren, deren Sinne von den Reizen der Urbanität und der Weltläufigkeit umspült wurden - es sollten diese weltoffenen Geistesströmungen sein, die einen sich zu Höherem berufen fühlen ließen.

Zarte Anfänge...

Nachdem die ersten Kontakte geknüpft waren, boten sich die zahlreichen Vorlesungen des ersten Semesters und die zwischenliegenden Pausen geradezu an, sich näher kennenzulernen, über Vergangenheit und Zukunft zu erzählen und zu spekulieren und den anderen schätzen zu lernen; nur wenige Außenstehende wissen heute noch, dass in den frühesten Anfängen, vor der eigentlichen Gründung, noch zwei weitere Steirer der illustren Runde mehr oder weniger angehörten:
In dieser Besetzung vergingen die ersten gemeinsamen Monate auf der Universität, in Vorlesungen über das Paarungsverhalten von Regenwürmern, über Phenylketonurie und 'Random Mating' oder über Säure-Basen-Reaktionen - und immer wieder, ganz klein, ganz unaufmerksam, ganz nebensächlich schlichen sich in den Vorlesungen der Chemie, der Genetik, der Biochemie Wasserstoffbrückenbindungen ein - was es wohl damit auf sich haben mochte? Warum wurden sie immer als Erklärungsmodell herangezogen?
Dass die Erklärung dafür einmal viele Leben verändern würde, dass sich hinter diesem sperrigen Wort eine großartige Sache verbarg und dass das Schicksal bald seinen Fingerzeig darauf lenken würde, das, ja, das war jenen jungen Leute, die ihre Zeit mit Karikaturen und Geschichten erfinden verbrachten und lieber DVDs schauten, anstatt OC A zu lernen, noch nicht klar...

...und Lebensprüfungen

Rasch war das erste Semester vergangen, die ersten Prüfungen versucht und geschafft, die ersten Mitstreiter verloren - das zweite Semester begann mit Bausch und Bogen und chemischen Übungen, in denen der Fluch, dass sich Simone und Florian nie im Labor gegenüberstanden, sich zum ersten Mal entfaltete; glaubt man gewissen Spekulationen aus esoterischen Kreisen und Hochenergieforschern, ist dies eine reine Selbstschutzmaßnahme des Universums, da eine derart geballte Kreativitätsladung, wie sie sich bei der gemeinsamen Laborarbeit der Beiden entfalten würde, das gesamte Weltall auslöschen könnte (diese Spekulationen sind noch unbestätigt).
Während Schwefelsäure kochte, elektrolytische Lösungen blubberten und Ammoniak am Geruch erkannt werden musste (tief inhalieren und man bekommt drei Jahre lang keinen Schnupfen mehr, sobald man das Nasenbluten gestoppt hat), rückten die Tage des März voran und bald fanden auch diese ersten praktischen Betätigungen, die fortan das besondere Steckenpferd von Dr. S. werden sollten, ihr Ende.
Doch nichts im Leben ist geschenkt, auch kein Zeugnis für die Chemischen Übungen für Molekularbiologen. Und so wurde zur Prüfung gebeten, ja, nicht zu einem gewöhnlichen schriftlichen Abfragetest, nein, einem Wissenden aus Fleisch und Blut musste Rede und Antwort gestanden werden, um zu zeigen, dass man für würdig zu befinden war, in die tieferen Gefilde der praktischen Experimentiererei eingewiesen zu werden.
Während Florian einen gemütlichen Dicken als Prüfer zugewiesen bekam, der als umgänglich und wenig problematisch bekannt war, hatte das Los für Simone einen härteren Knochen bereitgestellt: den Übungsleiter höchstpersönlich, den undurchschaubaren Dr. Markus G., der durch seine oft trockene und korrekte Art nicht nur Gutes verhieß. [Wobei man Simones Vorliebe für gewisse trockene und korrekte Professoren nicht unerwähnt lassen sollte, Anm.]
Voller Unsicherheit und dumpfen Vorahnungen begab sich Simone, durch einen practical joke von Florian noch zusätzlich nervös, zur Prüfung - die einem Erweckungserlebnis gleichkam:
Nicht nur, dass sie rein studientechnisch ein voller Erfolg wurde, nein, Dr. G. nahm sich, einem Mentor gleich, Simone an, um sie in die wunderbare Welt der Wasserstoffbrückenbindungen einzuweisen, er erklärte präzise ihre Herkunft, unterstrich ihre Wichtigkeit für alle Teilgebiete der Molekularen Biologie und schloss mit jenen, heute in Bronze gegossenen und in Marmor geschlagenen Worten, die den Stein ins Rollen brachten:

"Unterschätzen Sie niemals die Bedeutung der Wasserstoffbrückenbindungen!"

Ja, es war die Euphorie über die erste, gemeinsam übersprunge Hürde, die den Weg in die weiten Gefilde der Wissenschaft öffnete, es war das Überschreiten jener Schwelle, hinter der sich große Erkenntnisse zu verbergen schienen, es war die Prägnanz dieser prophetischen Worte, die so viel Großes in etwas so Kleinem verbargen, die einen Entschluss reifen ließen:
Nehmen wir die Dinge in die Hand! Lassen wir die Welt teilhaben an der Großartigkeit der Wasserstoffbrückenbindungen! Verbreiten wir das Wort, künden wir von ihrer Bedeutung, schreiben wir sie auf unser Banner, das in die Welt zu tragen wir uns zum Ziel setzen - lasst uns eine Gesellschaft gründen, eine Gesellschaft, deren Ziel es sein möge, die Bedeutung der Wasserstoffbrückenbindungen nie ins Vergessen geraten zu lassen:
Die Gesellschaft für die Bedeutung der Wasserstoffbrückenbindungen - die Society for the Significance of Hydrogen Bonds (SSHB) war geboren!

Der Rest ist Geschichte

Was als spontaner Einfall in einem Moment der Euphorie begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Bewegung mit Eigendynamik, die über die ursprünglichen Ziele (Achtung und Ehrung der Wasserstoffbrückenbindungen, ihre Erforschung und Verkündung an die Öffentlichkeit) weit hinaus gehen. Seitdem das neue Hauptquartier bezogen wurde, konnte die Aufmerksamkeit auf zahlreiche weitere Projekte, Reisen und Vorträge gerichtet werden; vor allem aber hat sich die SSHB in Zeiten, in denen suspekte Verbindungen und restrikte Netzwerke mit elitärem Dünkel aus dem Boden sprießen, zu einem letzten Hort der Meinungs-, Gedanken- und Phantasiefreiheit entwickelt, zu einem Refugium des Respekts, der Achtung und der Freundschaft den Anderen gegenüber - möge die Erfolgsgeschichte noch lange weitergehen!